Linux · Tag 1 · Kapitel 05 von 12

Rocky Linux Installation mit Anaconda

Schritt für Schritt von der leeren VM zum frisch installierten Server. Wir gehen den Anaconda-Installer durch, klären die Partitionierung, richten User und Netzwerk korrekt ein — und vermeiden die fünf häufigsten Anfänger-Fallen.

📚 Kapitel 05 ⏱️ ca. 35 min Lesezeit + 25 min Install 🎯 Aktion
📋
Voraussetzungen
  • VMware Workstation Pro installiert (oder VirtualBox)
  • Rocky Linux 9 — Minimal ISO heruntergeladen (~2 GB)
  • VM angelegt: 2 vCPU, 2 GB RAM, 20 GB Disk, Netzwerk NAT
  • VT-x bzw. AMD-V im BIOS aktiv (siehe Kapitel 04)
5.1

Was ist Anaconda?

Theorie

Anaconda ist der grafische Installer der Red-Hat-Familie (RHEL, Rocky, AlmaLinux, Fedora). Wenn du irgendwann an einer dieser Distros sitzt, siehst du immer die gleiche Oberfläche. Wer Anaconda einmal verstanden hat, kann jede Red-Hat-Maschine aufsetzen.

Anaconda ist überraschend mächtig:

  • Interaktiv wie bei uns — du klickst dich durch
  • Automatisch per Kickstart-Datei (Massen-Rollout in Firmen)
  • Text-Modus für Server ohne Grafik
  • Unterstützt LVM, RAID, Verschlüsselung und mehr
🐍
Wussten Sie schon?

Der Installer heißt Anaconda — wie die Schlange. Den Namen hat er nicht zufällig: Er ist komplett in Python geschrieben (und Python wiederum heißt nach der Komikertruppe Monty Python). Die Python-Distribution für Data Science "Anaconda" hat damit übrigens nichts zu tun — beide haben den Namen unabhängig voneinander gewählt.

5.2

VM starten und ins Boot-Menü

Aktion
  1. In VMware Workstation die VM anklicken → Power on this virtual machine
  2. Das schwarze BIOS-Bild blitzt kurz auf — die VM versucht, von der ISO zu booten
  3. Es erscheint das blau-graue Rocky-Boot-Menü mit drei Optionen:
┌──────────────────────────────────────────────────┐ │ Rocky Linux 9 │ │ │ │ Install Rocky Linux 9 ← unsere Wahl │ │ Test this media & install Rocky Linux 9 │ │ Troubleshooting → │ │ │ │ Press Tab for full configuration options ... │ └──────────────────────────────────────────────────┘

Mit den Pfeiltasten auf "Install Rocky Linux 9" und Enter. Der Kernel wird geladen, du siehst weißen Text auf schwarzem Grund (das ist normal). Nach 20–60 Sekunden öffnet sich die grafische Anaconda-Oberfläche.

💡
Wenn die VM die ISO nicht findet

Falls du sofort eine Meldung wie "No bootable device" siehst: VM herunterfahren → Settings → CD/DVD → "Connect at power on" anhaken und die ISO-Datei erneut auswählen.

5.3

Sprache & Tastaturlayout

Schritt 1

Anaconda startet mit der Frage nach der Installations-Sprache. Das ist die Sprache des Installers — nicht zwingend die spätere Sprache des Systems (lässt sich aber gleichschalten).

  1. In der Liste links auf Deutsch (Deutschland) klicken
  2. Rechts Deutsch (Deutschland) als Region wählen
  3. Unten rechts auf Fortfahren klicken

Du landest in der Installations-Übersicht — dem zentralen Anaconda-Bildschirm mit 8 Kacheln. Punkte mit einem orangefarbenen Ausrufezeichen ⚠️ müssen noch konfiguriert werden, bevor du installieren kannst.

┌─────────────────────────────────────────────────┐ │ INSTALLATIONSÜBERSICHT │ ├─────────────────────────────────────────────────┤ │ ⏰ Zeit & Datum ⌨ Tastatur │ │ 🌐 Sprache 🅰 Sprachunterstützung │ ├─────────────────────────────────────────────────┤ │ 💿 Installationsquelle 📦 Software-Auswahl │ │ 🗄 Installationsziel ⚠ 🔐 KDUMP │ ├─────────────────────────────────────────────────┤ │ 🌐 Netzwerk & Hostname ⚠ 🔒 Sicherheitsrichtlinie│ ├─────────────────────────────────────────────────┤ │ 🔑 Root-Passwort ⚠ 👤 Benutzer-Erstellung ⚠ │ └─────────────────────────────────────────────────┘ Beenden Installation beginnen (grau)
⌨️
Tastaturlayout prüfen!

Klicke auf Tastatur und stelle sicher, dass "Deutsch" ganz oben in der Liste steht. Sonst tippst du gleich ein Passwort, das du nie wieder eingeben kannst, weil Y und Z vertauscht sind.

5.4

Installationsziel: automatisch vs. manuell

Wichtige Entscheidung

Klicke auf Installationsziel. Du siehst deine 20-GB-VM-Disk. Jetzt kommt die Schlüsselfrage: Wie soll Rocky die Platte aufteilen?

Option A — Automatisch (für uns ideal)

Anaconda übernimmt das Partitionieren. Du wählst einfach "Automatisch" und klickst auf Fertig. Das Ergebnis sieht etwa so aus:

/dev/sda 20 GB ├─ /dev/sda1 /boot ~1 GB (Kernel, GRUB) ├─ /dev/sda2 /boot/efi ~600 MB (nur bei UEFI) └─ /dev/sda3 LVM-Container ~18 GB ├─ rl-root / ~16 GB └─ rl-swap swap ~2 GB

Option B — Manuell (für Fortgeschrittene)

Du legst jede Partition selbst an. Das ist sinnvoll, wenn du:

  • Verschiedene Mountpoints auf verschiedene Disks legen willst
  • LVM, RAID, Verschlüsselung oder Quotas anders konfigurieren musst
  • einen sehr großen /var-Bereich brauchst (z.B. Mailserver)

Die wichtigsten Mountpoints erklärt

MountpointWas liegt da?Empfohlene Größe (Server)
/Wurzel des Systems, alles was nicht eigene Partition istRest der Disk
/bootKernel, initramfs, GRUB-Dateien1 GB
/boot/efiEFI System Partition (FAT, nur UEFI)500–600 MB
/homeUser-Daten — eigene Partition macht Re-Installs leichtvariabel, bei Workstation groß
/varLogs, Datenbanken, Webserver-Daten5–20 GB+ je nach Last
swapAuslagerungsspeicher (kein Mountpoint im klassischen Sinn)1–2× RAM, max 8 GB
💾
Was ist Swap?

Swap ist ein Bereich auf der Festplatte, den der Kernel als „verlängerten RAM“ nutzen kann, wenn der echte RAM voll ist. Da Disk viel langsamer ist als RAM, gilt: Swap als Notpuffer ja, als Dauerlösung nein. Auf modernen Servern mit viel RAM oft nur 2 GB Swap.

🎓
Trainer-Hinweis

Für den Kurs nehmen wir "Automatisch". Manuelles Partitionieren mit LVM kostet schnell 30 Minuten und ist Stoff für Tag 2.

5.5

Software-Auswahl: Minimal vs. Server vs. Workstation

Wichtige Entscheidung

Klicke auf Software-Auswahl. Hier wählst du, welche Pakete sofort mitinstalliert werden. Rocky bietet mehrere Basis-Umgebungen:

UmgebungWas ist drin?GrößeWofür?
Server with GUI GNOME-Desktop + Serverdienste ~ 4 GB Selten — Server haben normalerweise keine GUI
Serverwir! Klassiker-Server-Tools ohne GUI ~ 2.5 GB Produktions-Server, Lern-VM mit Komfort
Workstation GNOME, Office, Multimedia ~ 5 GB Linux als Desktop-Betriebssystem
Custom Operating System nur das Allernötigste ~ 800 MB Container-Hosts, eingebettete Systeme
Minimal Install Basis-Tools + ssh ~ 1.5 GB maximale Kontrolle, alles nachinstallieren

Wir nehmen "Server" (nicht „Server with GUI“!). Rechts kannst du noch Zusatz-Add-ons anhaken — wir lassen das fürs Erste bei den Defaults. Klick auf Fertig.

⚠️
Achtung: Minimal Install hat KEIN nano

Wenn du „Minimal Install“ wählst, fehlt sogar der Texteditor nano. Wir müssten ihn später per dnf install nano nachladen. „Server“ ist für Lehrumgebungen die bessere Wahl.

5.6

Netzwerk & Hostname konfigurieren

⚠️ Häufige Falle!

Klicke auf Netzwerk & Hostname. Du siehst dein virtuelles Ethernet-Interface (meist ens160 oder ens33). Es ist standardmäßig AUSGESCHALTET.

⚠️
DIE wichtigste Fußangel

Der Ethernet-Schalter oben rechts steht auf AUS. Wenn du das vergisst, hast du nach der Installation kein Netzwerk! Schalte ihn JETZT auf EIN. Du siehst dann sofort eine IP-Adresse (z.B. 192.168.211.128) und einen Gateway-Eintrag.

Hostname setzen

Unten links steht ein Feld Hostname. Default ist localhost.localdomain. Trage ein:

hostname
rocky-tn01

(„tn01“ = Teilnehmer 01. Wenn ihr eine Nummer habt, eure Nummer eintragen.) Klick auf Anwenden rechts daneben — der Hostname springt in die untere Anzeige.

Mit Fertig zurück zur Übersicht.

5.7

Root-Passwort und Benutzer anlegen

Schritt 5

Root-Passwort setzen

Klicke auf Root-Passwort. Wichtig: root ist der Super-Admin von Linux — er darf alles, auch das ganze System löschen. Deshalb das Passwort sicher wählen.

Für den Kurs verwenden wir:

root-pw
linux123

Anaconda meckert, das Passwort sei schwach. "Fertig" zweimal drücken — dann akzeptiert es. (In Produktion würde man hier ein 20+ Zeichen langes generiertes Passwort nehmen.)

🔓
"Anmeldung als root mit Passwort erlauben"

Bei Rocky 9 ist das Häkchen "Root-Anmeldung mit Passwort erlauben" standardmäßig aus — gut so, denn root sollte nicht direkt per SSH erreichbar sein. Für unseren Kursrechner haken wir es trotzdem an, weil wir manchmal direkt am Konsolen-Login als root reinkommen wollen.

Benutzer anlegen

Klicke auf Benutzer-Erstellung. Trage ein:

Vollständiger NameAdmin User
Benutzernameadmin
Passwortlinux123
Passwort bestätigenlinux123
✅ Diesen Benutzer zum Administrator machenHÄKCHEN SETZEN!

Das Häkchen "Administrator" fügt den User der Gruppe wheel hinzu — und damit darf er sudo benutzen. Mehr dazu gleich.

Klick auf Fertig (zweimal, wegen schwachem PW).

5.8

Installation starten und ersten Reboot

Schritt 6

Alle ⚠️-Symbole sind weg. Unten rechts wird "Installation beginnen" klickbar. Drauf!

Anaconda fängt jetzt an, Pakete auf die Disk zu schreiben. Du siehst einen Fortschrittsbalken und Werbe-Slides für Rocky. Das dauert je nach Hardware 5–15 Minuten.

Kaffeepause

Perfekter Moment für eine kurze Pause. Nicht abbrechen, nicht klicken, einfach laufen lassen.

Wenn die Installation fertig ist:

  1. System neu starten klicken
  2. Die VM bootet neu — wichtig: jetzt von der virtuellen Disk, nicht mehr von der ISO
  3. VMware löst die ISO automatisch aus, sobald die VM startet
  4. Es erscheint kurz das GRUB-Menü (3 Sek. Countdown)
  5. Der Kernel startet, systemd lädt Dienste, am Ende erscheint:
first login
Rocky Linux 9.x (Blue Onyx)
Kernel 5.14.0-... on an x86_64

rocky-tn01 login: admin
Password: linux123    ← du siehst NICHTS beim Tippen, das ist OK!

[admin@rocky-tn01 ~]$
🎉
Glückwunsch!

Du hast dein erstes Linux installiert. Das ist mehr, als 95 % aller Windows-Nutzer in ihrem Leben tun.

5.9

Warum NIE direkt als root arbeiten? — das sudo-Konzept

SEHR WICHTIG

Diesen Abschnitt bitte zweimal lesen. Er ist die Grundlage für sauberes Linux-Adminstrieren.

Was kann root?

Der User root (UID 0) hat uneingeschränkte Rechte:

  • Jede Datei lesen, schreiben, löschen — auch in /etc, /boot oder /dev
  • Jeden Prozess starten oder beenden
  • Den Kernel neu konfigurieren
  • Festplatten formatieren, das Dateisystem zerschießen
  • Die berühmte Zeile rm -rf / ausführen — und damit das ganze System

Wo ist das Problem?

Drei Gründe, warum man als root NIE direkt arbeiten sollte:

  1. Kein Sicherheitsnetz. Linux fragt root nicht zurück. Wenn du als root rm -rf /etc tippst, ist /etc weg. Punkt.
  2. Tippfehler werden katastrophal. Ein Leerzeichen zuviel (rm -rf / etc statt rm -rf /etc) — System gelöscht.
  3. Keine Spur. root-Aktionen tauchen in keinem Audit-Log mit dem echten Verantwortlichen auf. Wenn drei Admins root-Zugang teilen, weiß hinterher niemand, wer was getan hat.

Die Lösung: sudo

sudo steht für "substitute do" — manchmal auch als "superuser do" gelesen. Es lässt dich als normaler User EINEN Befehl mit root-Rechten ausführen:

bash
# Falsch (als root eingeloggt sein):
#   [root@rocky ~]# dnf install nano

# Richtig (als admin, einzelner Befehl mit sudo):
[admin@rocky-tn01 ~]$ sudo dnf install nano
[sudo] password for admin:        ← dein eigenes Passwort, NICHT root!
...

Vorteile von sudo:

  • Granular — root-Rechte nur für genau diesen Befehl, dann wieder zurück
  • Auditierbar — jeder sudo-Aufruf landet in /var/log/secure mit Username und Befehl
  • Konfigurierbar — in /etc/sudoers lässt sich genau festlegen, wer welche Befehle nutzen darf
  • 15-Minuten-Cache — danach noch mal Passwort, gut gegen weglaufenden Admin am offenen Terminal
👥
Die Gruppe „wheel“

Bei RHEL/Rocky/Fedora dürfen alle User der Gruppe wheel standardmäßig sudo nutzen. Bei Ubuntu/Debian heißt die Gruppe sudo. Das Häkchen „Administrator“ im Installer hat unseren admin-User automatisch in wheel aufgenommen.

💡
Praxis-Tipp

Wenn du doch mal eine längere Shell-Session als root brauchst: sudo -i öffnet eine root-Shell. Sieht am Prompt durch das # sofort. Aber: immer so kurz wie möglich, danach exit.

5.10

Was passiert eigentlich beim Boot?

Tiefer Blick

Wenn du die VM startest und das Login erscheint, sind im Hintergrund fünf Phasen abgelaufen. Du musst nicht jede Phase auswendig können, aber die Reihenfolge im Kopf haben — das hilft bei jedem späteren Bootproblem.

1. BIOS / UEFI "Welche Disk soll booten?" │ ▼ 2. Bootloader (GRUB) "Welcher Kernel soll laden?" │ ▼ 3. Linux-Kernel "Hardware erkennen, Treiber laden, initramfs" │ ▼ 4. init / systemd "Dienste starten in der richtigen Reihenfolge" │ ▼ 5. Login-Prompt "Wer bist du?"

Die fünf Phasen im Detail

  1. BIOS/UEFI — die Firmware auf deinem Mainboard erkennt die Hardware (CPU, RAM, Disks) und sucht eine bootfähige Disk. UEFI ist die moderne Variante mit grafischer Oberfläche, BIOS die klassische.
  2. GRUB (GRand Unified Bootloader) — wird vom UEFI von /boot/efi geladen und zeigt das Boot-Menü. Erlaubt dir, einen bestimmten Kernel zu wählen (auch ältere bei Bootproblemen).
  3. Linux-Kernel — wird von /boot in den RAM geladen, initialisiert Geräte-Treiber, lädt das initramfs (eine kleine RAM-Disk mit den essentiellen Treibern), mountet die echte Root-Partition.
  4. systemd (PID 1) — der Init-Prozess. Startet alle Dienste parallel und in der richtigen Reihenfolge (Netzwerk vor SSH, SSH vor Login, etc.). Mehr dazu an Tag 3.
  5. Login-Prompt — getty zeigt den Login-Prompt, du tippst User und Passwort, PAM prüft die Credentials, Shell startet.
⏱️
Wie lange dauert das alles?

Auf einer VM mit SSD: 5–15 Sekunden. Auf einem alten Server mit HDDs und vielen Diensten: bis zu 2 Minuten. Mit systemd-analyze kannst du dir genau anzeigen lassen, welcher Dienst wie lange beim Booten gebraucht hat — gehört in jeden Optimierer-Werkzeugkasten.

5.11

open-vm-tools installieren

Nachpflege

VMware-Tools sind ein Paket, das die VM "freundlicher" zum Host macht: bessere Maus-Integration, Copy-Paste zwischen Host und VM, Shared Folders, Zeit-Synchronisation, sauberes Herunterfahren vom Host aus.

Bei Rocky benutzen wir open-vm-tools (die offene Variante), nicht die proprietären VMware-Tools von der ISO.

bash
# Aktuelle Paketquellen aktualisieren
sudo dnf update -y

# open-vm-tools installieren
sudo dnf install open-vm-tools -y

# Dienst aktivieren und starten
sudo systemctl enable --now vmtoolsd

# Status prüfen
systemctl status vmtoolsd

Bei systemctl status sollte „active (running)“ stehen. Mit q beendest du die Statusanzeige.

5.12

JETZT einen Snapshot anlegen!

Lifesaver

Genau jetzt ist der ideale Zeitpunkt für deinen ersten Snapshot. Das System ist frisch, vollständig konfiguriert, alle Updates eingespielt. Wenn du in den nächsten Stunden etwas verbiegst — Snapshot zurück, fertig.

  1. In VMware Workstation oben rechts auf VM → Snapshot → Take Snapshot (oder Strg+M)
  2. Name: 00-frisch-installiert
  3. Beschreibung: Rocky 9 Server-Install, open-vm-tools, admin/linux123
  4. Take Snapshot klicken
🎯
Goldene Regel

Nach jeder größeren Einstellung, die funktioniert, einen Snapshot machen und sinnvoll benennen. „nach-nano-installation“, „vor-firewall-config“, etc. Das spart dir später Stunden.

5.13

Häufige Installations-Fehler

Troubleshooting
Fehler 1 — Zu kleine Disk

Symptom: Anaconda meldet „Nicht genug Speicherplatz“ oder bricht beim Software-Install ab.

Lösung: Mindestens 20 GB vDisk. Bei Server with GUI besser 30 GB.

Fehler 2 — Kein Internet beim Install

Symptom: Die Installation läuft durch, aber dnf update findet keine Repos. Pakete lassen sich nicht installieren.

Ursache: Ethernet-Schalter im Anaconda war auf AUS.

Schnelle Lösung: Als root anmelden, dann nmtui aufrufen → Verbindung aktivieren → die Verbindung anklicken → bei Automatisch verbinden Häkchen setzen → speichern. Neu starten.

Fehler 3 — root-Passwort vergessen

Symptom: Du kannst dich nicht als root einloggen, weißt das Passwort nicht mehr.

Lösung (bei VMs!): Beim GRUB-Menü e drücken, in der Kernel-Zeile rd.break ans Ende anhängen, Strg+X, dann in der Notfall-Shell: mount -o remount,rw /sysrootchroot /sysrootpasswd → neues PW setzen → SELinux-Relabel mit touch /.autorelabel → 2× exit → Reboot.

Anfangs lieber: Snapshot „00-frisch-installiert“ zurückspielen.

Fehler 4 — Y und Z vertauscht

Symptom: Passwort wird beim Login nicht akzeptiert.

Ursache: Tastaturlayout steht auf US (QWERTY) statt DE (QWERTZ). Beim Passwort siehst du nichts, also merkst du den Fehler nicht.

Lösung: Erst mal als Test dein Passwort am Login-Prompt sichtbar in der „Benutzername:“-Zeile tippen. Wenn da linuy statt linuz steht, ist klar, was los ist. Layout im Installer korrigieren — oder einmal mit fehlertolerantem PW arbeiten.

Fehler 5 — VM bootet wieder von der ISO

Symptom: Nach dem Neustart erscheint wieder das Rocky-Installations-Menü statt deines frischen Systems.

Ursache: Die ISO ist noch im virtuellen CD-Laufwerk eingelegt, und die VM bootet bevorzugt von CD.

Lösung: VM herunterfahren → Settings → CD/DVD → "Connect at power on" deaktivieren oder ISO entfernen.

🎯

Kontrollfragen zum Kapitel

Selbst-Check
  1. Was ist Anaconda? In welcher Sprache ist er geschrieben?
  2. Welche Mindestgröße sollte deine vDisk für eine Server-Installation haben?
  3. Welches ist die wichtigste Einstellung, die TN im Installer oft vergessen?
  4. Was bedeutet das Häkchen „Diesen Benutzer zum Administrator machen“ technisch?
  5. Warum sollte man NIE direkt als root arbeiten? Nenne mindestens zwei Gründe.
  6. Wofür steht sudo und wie funktioniert es prinzipiell?
  7. Nenne die fünf Phasen des Linux-Boot-Prozesses in der richtigen Reihenfolge.
  8. Wann ist der ideale Zeitpunkt für den ersten Snapshot — und warum gerade dann?
  1. Anaconda ist der grafische Installer der Red-Hat-Familie. Geschrieben in Python.
  2. Für „Server“ mindestens 20 GB, für „Server with GUI“ besser 30 GB.
  3. Den Ethernet-Schalter in „Netzwerk & Hostname“ auf EIN stellen. Sonst gibt es nach der Installation kein Netzwerk.
  4. Der User wird der Gruppe wheel hinzugefügt und darf damit standardmäßig sudo nutzen.
  5. (1) Kein Sicherheitsnetz — root fragt nicht zurück; (2) Tippfehler werden katastrophal; (3) Keine Audit-Spur, wenn mehrere Admins root teilen.
  6. sudo = „substitute do“ (oder „superuser do“). Es lässt einen normalen User einen einzelnen Befehl mit root-Rechten ausführen, fragt nach dem eigenen Passwort, cached die Berechtigung 15 Minuten und schreibt jeden Aufruf nach /var/log/secure.
  7. BIOS/UEFI → GRUB → Linux-Kernel → systemd (init) → Login-Prompt (getty + PAM + Shell).
  8. Direkt nach erfolgreicher Installation mit Updates und vm-tools. Weil das System dann sauber und vollständig ist und du in den nächsten Stunden viel ausprobieren wirst — Snapshot zurück = Reset auf bekannten guten Stand.